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October Walk Cairo
2010
Neon-Installation, zweiteilig (35cm x 17m; 70cm x 3,5m)
Eine künstlerische Intervention anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Deutschen Wiedervereinigung.
Der an der Außenmauer der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland montierte eine Teil der Arbeit beschreibt in Abkürzungen den Fußweg zum Gebäude der ehemaligen Botschaft der DDR (heute Sprachabteilung des Goethe-Instituts). Dort befindet sich der andere Teil der Installation, der den Weg in Gegenrichtung wiedergibt.
An artistic intervention on the occasion of the 20th anniversary of German Reunification.
The two-piece neon installation is a description in abbreviations of the footpath from the Embassy of the Federal Republic of Germany to the building of the former Embassy of the German Democratic Republic (today's language department of the Goethe Institute, Dokki). This is where the second part of the installation - which describes the route from the other direction - is located.
_Text von Carsten Probst
_Text von Kito Nedo





Alle Abbildungen: Andreas Paasch
Reduktion der Grenze - Grenze der Reduktion
Carsten Probst
Wegbeschreibungen und Neonröhren haben etwas gemeinsam: Sie verkürzen Distanzen, jede auf ihre Weise. Sie reduzieren den Raum auf das Wesentliche. Daniel Rode verbindet sie in seiner Installation zum 3. Oktober 2010 konsequent miteinander und treibt sie gemeinsam weiter zu einer ironischen, poetischen Zuspitzung.
Die Neonschrift an der Mauer verleiht dem nach außen hin abgeschotteten und überwachten Raum der Deutschen Botschaft eine unvermutete Zugänglichkeit: Sie liefert eine Hilfestellung, beantwortet in ihrer merkwürdig verklausulierten Form eine Frage, auf die man an diesem Ort vielleicht gar nicht gekommen wäre.
Sie stellt eine Verbindung her zu einem anderen Ort. Am Zielpunkt wartet im doppelten Wortsinn eine andere Botschaft: die einstige Botschaft der DDR in Kairo, deren Räume heute von der Sprachabteilung des Goethe-Instituts genutzt werden. Und an ihr finden sich wiederum die Neonzeichen, die nun zum Ausgangspunkt zurück verweisen.
Auch mancher deutschsprachige Betrachter muss wohl manchmal kurz innehalten, wenn er sich diese Abkürzungen "übersetzen" will. Weiß er, warum er dorthin gehen soll, wohin er hier geführt wird? Weiß er um die Geschichte im Hintergrund? Und um die Geschichte der Geschichte?
Daniel Rodes Installation allein erklärt noch nichts. Ihre Botschaft bleibt enigmatisch. Ihre Bedeutung liegt im Verweis zwischen den beiden Orten allein. Sichtbar gewordene Unsichtbarkeit: Es ist dem Betrachter überlassen, sich auf den Weg zu machen.
Geschichte im Stadtgeflecht
Kito Nedo
Das Verhältnis von Stadt und Text spielt im Werk des Dresdner Bildhauers Daniel Rode eine zentrale Rolle. Mit Installationen im Außenraum greift er einerseits als Textproduzent in die urbane Grammatik ein, andererseits wirkt die Stadt als Text in seinen Innenraum-Arbeiten weiter. Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Deutschen Wiedervereinigung hat der seit Sommer 2009 in Kairo lebende Künstler nun eine zweiteilige Neoninstallation verwirklicht, die auf imaginäre Weise zwei Orte in der ägyptischen Metropole miteinander verbindet: die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland und die ehemalige Botschaft der DDR, dessen Gebäude heute durch die Sprachabteilung des Goethe-Instituts genutzt wird.
In technizistisch-abstrakt wirkenden Abkürzungen wird an den Außenmauern der jeweiligen Häuser der Weg zwischen den zwei Orten beschrieben, für den ein Fußgänger etwa eine Stunde benötigen würde. Ein theoretischer Weg sagt Rode, nicht nur deshalb, weil in Kairo das Auto das vorherrschende Fortbewegungsmittel ist. Es handelt sich um eine doppelte Codierung: Einerseits ist die Formel Ausdruck einer Bewegung von Passanten, deren Körper dem mehr oder weniger deutlichen Schriftbild eines städtischen Textes folgen, den sie schreiben, ohne ihn lesen zu können. (Michel de Certeau). Dass sie gleichzeitig eine vom Künstler festgelegte Route zwischen zwei Geschichts-Orten ist, macht den poetischen Reiz dieser Installation aus.
Dabei gelingt es Rode mit Leichtigkeit, den pathetischen Gesten zu entgehen, die gewöhnlich mit historischen Feierlichkeiten verbunden sind. Seine chiffrierte Wegbeschreibung bezeichnet nur eine von vielen Möglichkeiten innerhalb der großstädtischen Verästelung von Straßen und Gassen: Die Geschichte, die sich im unüberschaubaren Stadtgeflecht in jedem Moment fortschreibt, ist nicht monolithisch, sondern Ergebnis fortgesetzter Verhandlungen und Konfrontationen. Nicht zuletzt wird das Archivhafte des Urbanen deutlich. Die Funktion der Stadt als Speicher von Texten ist so wichtig, dass man sich fragen kann, ob darin nicht ihre wichtigste Wurzel liegt. (Michel Butor). Durch Rodes Arbeit werden Gebäude und Straßen in der Stadt als Orte der Geschichte lesbar.

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